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Starkes "Affen"-Theater

Giengen: "Wer den Wind sät" am Margarete-Steiff-Gymnasium

Drangvolle Enge herrschte am Dienstagabend im Saal des Margarete-Steiff-Gymnasiums. Seit 30 Jahren besteht die dortige Theater-AG. Deren Mentorin Irmgard Pflüger wurde durch Lars Sörös-Helfert vom Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg mit der goldenen Ehrennadel geehrt. "Die Schüler haben diese Ehrung mitverdient", dankte Pflüger - und hatte Recht. Spannung, Temperament und enorme Bühnenpräsenz sowie exzellente Technik, Maske und Kostüme prägten die Aufführung von "Wer den Wind sät".

In den USA der zwanziger Jahre war es verboten, Darwins Evolutionslehre an Schulen zu unterrichten. Die Autoren Jeremy Lawrence und Robert E. Lee gestalteten daraus ein Drama, dessen Gedankengut bis in die jüngste Vergangenheit auch bei uns aktuell ist. Die Mitglieder des Gospelprojekts unterstrichen das Ganze mit Gesang.

Im Dunstkreis von Hot Dog und Chorälen beklagte eingangs Pfarrerstochter Rachel (Celia Nicklaus), dass ihr Lehrerkollege Betram G. Gates wegen seiner Darwin-Äußerungen in U-Haft sitzt. Florian Markel verkörperte den schüchtern wirkenden, aber mit resignierendem Humor begabten Pädagogen glänzend. Das Essen im Gefängnis sei besser als in der Schule, tröstete er Rachel.

Alle Mitwirkenden glänzten durch klare Aussprache, beziehungsreiche Mimik und Gestik. Lisa Markel gab als Reporterin die zynisch-distanzierte Journalistin, die in dem mit religiösem Muff behafteten Nest gefragt wurde, ob sie eine "Abtrünnige" sei. Nein, schlimmer, sie schreibe für den "Baltimore Herald".

Ankläger Brady, erfolgreicher Politiker und überzeugter Darwin-Gegner, wurde von Grischa Schelker eindrucksvoll verkörpert. Die Frisur erinnerte wohl beabsichtigt an die des jetzigen US-Präsidenten, dem religiöser Fundamentalismus nachgesagt wird. Der heuchlerische Pfarrer (Fabian Keck) und der devote Bürgermeister (Frank Kienmoser) bestätigten pflichtschuldigst die Ansicht des Anklägers, Gates habe als Lehrer gegen das "höhere Gesetz" verstoßen. Und Gates' Verteidigerin Drummond (glänzend Lena-Sophia Jahn) sei eine "Ausgeburt der Finsternis", eine "Furie im Fell des Lammes".

Ein Glanzstück im Stück: die donnernde Predigt von Pfarrer Brown. Von ekstatischen "Hosianna"- und "Halleluja"-Rufen der verzückten Gemeinde begleitet, rief er den Herrn an: "Vernichte ihn!" Die Beweisaufnahme wurde im Stück zu einem dramaturgischen Höhepunkt. Herrlich prägnant kamen die Duelle von Anwältin und Ankläger. Elena Lindenmayer als Richterin zeigte Souveränität und auch Verständnis für den verschüchterten Angeklagten. Die Absurdität der Argumente Bradys mit seiner bibeltreuen Auslegung der Schöpfung wurde fast greifbar. In allen Punkten schuldig, wurde Gates zu hundert Dollar Geldstrafe verurteilt.

Am Ende hochverdienter Applaus für spannende und bewegenden eineinhalb Stunden.

Hans-Peter Leitenberger

Weitere Vorstellungen am 5., 6., 10. Juli ab 20 Uhr im Margarete-Steiff-Gymnasium.

(Heidenheimer Zeitung -  Donnerstag, den 05. Juli 2007)