theater2011_03.jpg
Theater2010_03_neu.jpg
tgesch097.jpg
Kopie von babylon_1.jpg
wind7.jpg
Wie Aquavit für die Schnapsdrossel

Theater am Steiff-Gymnasiums: witzig, spritzig, "Was ihr wollt"

Wie befand einst William Shakespeare: Narrheit leuchtet überall auf. Besonders spritzig und witzig allerdings tut sie dies derzeit in Giengen, wo die Inszenierung der Theater-AG des Margarete-SteiffGymnasiums von Shakespeares Komödie "Was ihr wollt" eine höchst amüsante und eifrig beklatschte Premiere feierte.

Das 13-köpfige Ensemble unter der Regie von Irmgard Pflüger und Felix Rieckmann sprühte geradezu vor Spielfreude und Einsatzbereitschaft und verstand es, eine Vielzahl von Funken zu entzünden, die sogleich auf das Publikum übersprangen.

Zunächst allerdings sprang erst einmal er, Feste, der Narr, und zwar mit Schmackes direkt in Irmgard Pflügers einführende Rede, war Blickfang und blieb Blickfang von Anfang bis Ende: In seiner Haut steckte Lena-Sofia Jahn, die eigentlich schon aus der Theater-AG ausgeschieden war, aber in ihrem freiwilligen sozialen Jahr nochmals kräftig mitmischte. Des Narren Haut passte ihr wie angegossen. Genüsslich zelebriert sie dessen tolle Weisheiten und weise Tollheiten und treibt so in närrischer Raffinesse die muntere Verwechslung stetig an, singt und springt - sicher wird selten ein Publikum so erfrischend bestimmt wie von ihr zur Pause geschickt und zurückbeordert.

Spieltalent und Regiearbeit gehen hier eine ganz hervorragende Symbiose ein; und es ist der Regie auch ein Lob dafür zu zollen, dass das Gefälle zwischen "alten Hasen" wie Lena-Sofia Jahn und Debütanten nicht zu offenbar wird.

So torkeln Patrick Neumann und Julian Fiala als Trunkenbolde Junker Tobias von Rülp und Christoph von Bleichenwang sehr gekonnt und gefällig durch die Szenerie; und besonders bei letzterem ist ob des enormen Körpereinsatzes zu bewundern, dass dies ohne Blessuren bleibt. Lob verdient das Ensemble durchweg und ohne Einschränkung.

In der Inszenierung wird mit Gags nicht gegeizt - und sie ist jedenfalls geradezu belebend wie Aquavit auf die Schnapsdrossel. Und das Publikum ging mit und zeigte seine Freude unverhohlen an einem Premierenabend, dessen sommerliche Temperaturen sicherlich wie gemacht waren für solch ein kurzweiliges Vergnügen. Der Margarete-Steiff-Saal allerdings ist es nicht, in dem kleinen Raum staut sich die Luft schon ganz schön dick. Gut also, dass die Theater-AG von ihrem ursprünglichen Ziel, ohne Pause zu spielen, abgekommen ist und nun die Komödie im "Fußballformat mit zwei Halbzeiten" (Pflüger) präsentiert.

Marita Kasischke

Info Weitere Vorstellungen am 8., 9., 14. und 16. Juli jeweils ab 20 Uhr. Reservierungen im Sekretariat der Schule (Tel. 07322.963512) oder über www.theater-msg.de.

(Heidenheimer Zeitung - Mittwoch, den 07. Juli 2010)