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2004 Tankred Dorst - Der Kater oder Wie man das Spiel spielt

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Das Kindermärchen vom gestiefelten Kater auf der Theaterbühne, womöglich noch mit politischem Hintergedanken: Diese Zumutung für das gebildete Publikum ist Auslöser einer Kette von Diskursen über das, was gelungenes Theater ausmacht. Genüsslich bis an die Schmerzgrenze zerlegt sich das Theaterstück in seine Einzelteile. Bei dieser ironischen Selbstbesichtigung zelebriert es eine überforderte Dichterin im Kampf gegen den gutbürgerlichen Pöbel im Parkett, versagende Technik, eine dilettantische Inszenierung, aus der Rolle fallende Fußballprofis und andere Katastrophen. Diese so sinnliche wie geistreiche Theaterfarce ist eine Schule der Selbstironie für Dichter, Darsteller, Zuschauer und Kritiker.

Thomas Müller

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2003 Friedrich Dürrenmatt - Romulus der Große

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Die Iden des März 476 nach Christus: das Römische Weltreich kurz vor seinem Zusammenbruch. Opferwillig bis zur Selbstaufgabe versuchen politische Funktionsträger mitten in Chaos und Untergang alles, um das Reich doch noch vor den heranrückenden Germanen zu retten. Zwischen allen Fronten ein stoischer, aber vordergründig völlig planloser Kaiser Romulus, dem seine Leidenschaft für Hühnerzucht wichtiger ist als alle politischen Schreckensmeldungen. Sein scheinbar widersinniges Verhalten veranlasst sein Umfeld zum Handeln. Es kommt zur Verschwörung gegen den Kaiser und schließlich im letzten Akt zur grotesken Kraftprobe zwischen Romulus und dem Germanenfürsten Odoaker. Eine hochgradig aktuelle, wahrhaft tragische, "ungeschichtliche historische Komödie".

Irmgard Pflüger

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2002 Peter Weiss - Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielergruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade

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Die Patienten der Irrenanstalt Charenton bei Paris spielen aus therapeutischen Gründen Theater. Inszeniert wird die Verfolgung und Ermordung des Revolutionärs Jean Paul Marat. Die Leitung der Aufführung hat Marquis de Sade, der wegen seiner politischen Veröffentlichungen ebenfalls in der Anstalt einsitzt. Das Drama bewegt sich auf drei verschiedenen, sich ständig überlagernden Zeitebenen: die Zeit des Spiels im Spiel, Ermordung Marats am 13.7.1793 mit Rückblenden und Ausblicken; die Zeit der Rahmenhandlung, Tag der Aufführung in Charenton am 13.7.1808. In die Aufführung eingefügt sind fiktive Dialoge zwischen dem von allen revolutionären Grundsätzen enttäuschten und nur durch Grausamkeiten noch erregbaren Marquis de Sade und dem auf seiner revolutionären Gesinnung beharrenden Marat. Verweise vor allem der Ausrufer und des Theaterdirektors auf "gegenwärtige" Zeiten, die wiederholt recht ironisch als "besser", da "aufgeklärt", bezeichnet werden, stellen den Bezug zu unserer Gegenwart her.
Zahlreiche Gesangs- und Instrumentalstücke illustrieren und kommentieren die Handlung.

Irmgard  Pflüger

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2001 Arthur Miller - Hexenjagd

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Arthur Millers "Hexenjagd", die amerikanische Originalausgabe erschien 1952 unter dem Titel "The Crucible", basiert auf einer historischen Begebenheit: der Hexenjagd von Salem, in der 1692 insgesamt neunzehn als Hexen und Hexer Verurteilte gehängt wurden. Gerade diese Authentizität schockiert und provoziert und klagt jede Art von Dogmenbildung und Massenhysterie an. Vorgeführt wird eine Gesellschaft, die sich nicht um Aufklärung bemüht, in der die Meinung der Mehrheit zur Wahrheit stilisiert wird und nicht wahr ist, was nicht wahr sein darf. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit begleichen machthungrige Denunziantinnen persönliche Rechnungen. Der Aberglaube der Umwelt wird zum eigenen Vorteil eingesetzt und damit nach Arthur Miller jener schleichende Prozess ans Licht gebracht, "durch den sich erweist, dass die Sünde des gesellschaftlichen Terrors darin besteht, den Menschen seines Gewissens zu berauben und damit seiner Persönlichkeit".

Irmgard Pflüger

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